Werden Sie zur Regisseurin Ihrer eigenen Erfolgsstory: Katrin Klemm zeigt in Hamburg, wie.
Werden Sie zur Regisseurin Ihrer eigenen Erfolgsstory: Katrin Klemm zeigt in Hamburg, wie. © Foto:Unternehmen

Katrin Klemm | | von Irmela Schwab

Seine eigene Gestik finden - und überzeugen

Von Hollywood-Filmen können sich Frauen einiges abgucken. Angefangen vom Auftritt in Meetings und auf Podien bis dahin seine eigenen Ziele im Unternehmen umzusetzen. Business-Coach Katrin Klemm, die am 17. Mai in Hamburg auf dem W&V Coaching Day einen Workshop anbietet, erklärt, wie es funktioniert.

Sie möchten Frauen unterstützen einen guten Auftritt aufs Parkett zu legen - und empfehlen dabei in Hollywood-Drehbücher zu gucken: Was lässt sich daraus lernen?
 
Dass uns eine gute Geschichte immer fesselt – und das komplett geschlechterunabhängig. Inzwischen haben Marketing und Werbung verstanden, dass viele Kunden für eine „Ich bin toll, kauf mich, dann bist auch toll“-Verführung zu schlau geworden sind. Man findet inzwischen bewegendes Storytelling allerorten. Wenn wir in Meetings, Reden oder Präsentationen einen überzeugenden Auftritt hinlegen und Menschen bewegen wollen, dann dürfen wir uns hier ruhig etwas abgucken. Denn die Grundzutaten sind die gleichen wie beim Film: Held oder Heldin im Alltag. Es taucht eine Schwierigkeit auf. Der Held macht sich - nicht immer freiwillig - auf den Weg, sein Problem zu lösen. Unterwegs begegnet man fiesen Widersachern oder wohlmeinenden Unterstützern. Es kommt zum Kampf, aus dem die Heldin am Ende siegreich und auch schlauer hervorgeht. Das ist Leben. Oder eben Hollywood. Wenn es darum geht, Menschen in Bewegung zu bringen, lässt sich aus einfachsten Zutaten eine überzeugende Geschichte kochen, sofern man einfallsreich zu würzen versteht.
 
Das steht doch aber ein wenig im Gegensatz zur oft gehörten Aufforderung: "Sei authentisch!"
 
Wenn ich abgucke, zwingt mich niemand zu kopieren und damit zum persönlichen Plagiat zu werden. Gucke ich ab, gewinne ich die Chance, genau zu durchleuchten, was wirkt. Wenn mir die Wirkung gefällt, kann ich testen, wie das, was ich interessant finde zu mir passt. Eine Clownsnase im Gesicht reicht nicht aus, wenn es mir an jeglicher Lust zur Übertreibung fehlt. Doch stelle ich unterwegs fest, dass mir Dinge plötzlich leichter fallen, weil ich sie humorvoll angehe – habe ich dann nicht schon einen gewaltigen Schritt vorwärts gemacht? Lernen wir nicht von Kindesbeinen an durch Abgucken und Nachmachen, und entwickeln genau daraus unseren eigenen Stil, weil jeder ein bisschen abwandelt? Um nicht missverstanden zu werden: Auch in Hollywood gibt es öde Geschichten, mit denen man keinen Hund hinter dem Ofen hervorlockt, geschweige denn, ein Publikum zu fesseln vermag. Doch jedes gute Drehbuch hat eine Storyline, die uns das Offensichtliche miterleben lässt. Darunter liegt eine weitere Erzählebene auf der die richtig spannenden Sachen passieren. Das sind die, die uns sehr persönlich, sehr emotional berühren und dazu führen, dass wir uns noch nach Jahren an bestimmte Filme erinnern. Genau den gleichen Effekt wollen wir ja mit unserem Auftritt erzielen.
 
Können Männer besser schauspielern als Frauen?
 
Das will ich so nicht beurteilen. Fragen wir anders: Wenn Geschichtenerzählen ein Mittel ist, um zuerst einmal Aufmerksamkeit für ein Thema zu wecken, das auf den ersten Blick sperrig oder komplex erscheint, betrachten es Frauen dann ebenso selbstverständlich als ein zulässiges Mittel zum Zweck wie Männer? Oder rümpfen sie angesichts der Tatsache, dass ein bisschen Showeffekt manchmal nützlich ist, um harte Fakten zu präsentieren, eher die Nase? Vorausgeschickt: Es ist längst erwiesen, wieviel cleverer es ist, eine schwierige Materie in einem dem Gehirn leichter zugänglichen Format zu verpacken. Durch Bilder und Geschichten bleiben unsere Denk-Akkus länger fit und wir lassen staubtrockene Fakten – durch unsere Fähigkeit, Erzähltes blitzschnell mit eigenen Erfahrungen abzugleichen – wohlwollender an uns heran. Meint die Frage allerdings den Mut zum starken körpersprachlichen Auftritt, dann lautet meine Antwort darauf, ja. Ich beobachte bei Frauen eher Zurückhaltung, wenn es um einen raumgreifenden Auftritt geht. Zum Beispiel so genannte Powergesten wie zum Beispiel ein Hochreißen der Arme nach einem Sieg werden von Frauen weniger häufig bewusst eingesetzt als von Männern. Manchmal aus Unkenntnis, gelegentlich im Unterton der Entrüstung, man wolle schließlich nicht manipulieren oder aus einem Unwohlsein heraus, sich lächerlich zu machen. Dabei stellt sich mit ein wenig Übung oft ein wirkungsvoller Aha-Effekt ein, sobald man seine Gestik gefunden und als Handwerkszeug der eigenen Authentizität integriert hat.
 
Oft berichten Frauen davon, in männlich dominanten Konferenz- oder Diskussionsrunden nicht gehört zu werden. Ihr Tipp?
 
Das kommt auf das Setting an. Wenn alle sitzen und Sie stehen plötzlich auf - vielleicht weil Sie nur die Kaffeekanne besser erreichen wollen oder mal eben am Flipchart etwas skizzieren oder einfach im Stehen sprechen möchten - dann hat das große Wirkung.
 
Das habe ich persönlich bei Frauen noch nie erlebt...
Frauen quält oft der Selbstzweifel, sie hätten – gerade im Vergleich zu ihren männlichen Kollegen – nichts Spannendes zu berichten. Bestärkt wird dies noch durch den Gedanken, dass sich manche Frau vieles erkämpfen musste und sich die wenigsten Frauen als geborene Superstars sehen. Dazu ist es in Vorbereitung von Konferenz- oder Diskussionsrunden hilfreich, ein kleines Brainstorming mit sich selbst zu veranstalten. Es ist, wie irrtümlich oft angenommen, nicht die Beweihräucherung der eigenen Genialität, die das Publikum bei der Stange hält. Es sind die Geschichten von kniffligen Ausgangsbedingungen, zusammengebissenen Zähnen, den Fast-wäre-es-schiefgegangen-Szenarien, die uns brennend interessieren. Hätte der Prinz für Dornröschen nicht die Hecke überwinden müssen – wie öde. Die Geschichte wäre nach drei Minuten vorbei gewesen. Im Film will das Publikum seine Helden schwitzen sehen, damit es emotional andocken kann. Sonst lohnt sich der Preis fürs Ticket nicht. Damit hat jede Frau reichlich Stoff in der eigenen Biografie, oder nicht? Schauen Sie sich ruhig die Hindernisse genauer an, die Sie überwinden mussten und lassen Sie ihr Publikum teilhaben an Ihrem Weg.
 
Wie machtvoll ist der starke Auftritt: Ließen sich damit denn auch flexible Arbeitszeitmodelle für Mütter durchsetzen - ohne ein Stirnrunzeln der Vollzeitbelegschaft auszulösen?
 
Wie gesagt, eine knifflige Frage, die den Bogen im Kontext des Geschichtenerzählens sehr weit spannt. Ein Gedankenexperiment dazu. Wenn die Geschichte stimmt, ist das schon mal ein guter Schritt in die richtige Richtung. Schauen Sie sich die Rahmenbedingungen doch mal unter dem Blickwinkel der Heldenstory an. Ein Agenturchef mit guter Auftragslage und anspruchsvollen Kunden bekommt mit Sicherheit ein Problem, wenn eine oder vielleicht gleich mehrere Mütter mit dem Wunsch nach flexiblen Arbeitszeitmodellen an ihn herantreten. Da haben Sie Ihren Helden und sein Problem. Und jetzt ist Perspektivenwechsel angesagt. Was würde ihn veranlassen, sich auf den Weg zu einer Lösung zu machen? Was treibt ihn um, lässt ihn nachts nicht schlafen? Was wünscht er sich von tiefstem Herzen? Will er die Mutter unbedingt behalten, weil sie eine Topkraft ist? Welchen Widersachern oder Unterstützern begegnet er - wie etwa Gesetzgebung, Betriebsrat, neidischen oder wohlwollenden Kolleginnen, inneren Vorbehalten wie „So was gab‘s noch nie bei uns, wenn ich das einer gestatte, wo führt das hin“. Welchen Kampf hat er zu bestehen - manchmal tobt der nur im Heldenkopf, manchmal draußen im Kollegenkreis? Wenn Sie hier eine praktikable Idee finden, die Ihrem Helden hilft, seinen Kampf zu bestehen, sind Sie einen großen Schritt weiter. Das heißt, ein klarer und selbstbewusster Auftritt ist die Grundvoraussetzung. Der nächste Schritt ist es, die Geschichte, die dahinter steckt aus der Perspektive des Gegenüber zu sehen. Hier stelle ich immer wieder fest, dass Frauen darin ziemlich weit vorn sind. Wenn wir die Story im Coaching dann so schreiben, dass mehr als eine Person gewinnt, dann wird das großes Kino. Denn schauen Sie bei guten Filmen ganz genau hin: es ist immer mehr als eine Figur, die am Ende durch eine Erkenntnis ihr Leben verändern kann.

Mehr zum Thema erfahren Sie auf dem W&V Coaching Day am 17. Mai in Hamburg. Hier geht´s zur Anmeldung.

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